Wild Camping: Auf in die Highlands

Wild Camping in Schottland ist kein Problem. Wer die schöne schottische Landschaft genießen will, sollte dennoch ein paar Regeln kennen.

Um es gleich vorweg zu sagen: In Schottland ist vieles erlaubt. Zumindest, wenn es ums Zelten geht. Seit 2003 gibt es ein Gesetz, dass das Campen außerhalb von Campingplätzen mitten in der wilden Natur ausdrücklich genehmigt. Wildes Camping bedeutet laut diesem Gesetz kurz gesagt, dass eine kleine Gruppe von Campern die Zelte für nicht mehr als zwei oder drei Tage an einer einsamen Stelle aufbaut und den Platz hinterher genauso unberührt und frei von Müll hinterlässt, wie sie ihn vorgefunden hat.

Regeln für Camping, Segeln oder Reiten

Die Schotten wollen möglichst vielen Menschen den Zugang zur Natur erleichtern und das mit einigem Erfolg: Millionen Wanderer sind pro Jahr in Schottland unterwegs. Die alte Regelung, wonach sie die Landeigentümer um Erlaubnis fragen müssen, wenn sie über sein Land gehen oder ihr Zelt aufstellen wollten, wurde abgeschafft. Die Neuregelung mit dem etwas sperrigen Namen „Land Reform Act 2003“ gilt ebenso für das Segeln, Kayak fahren oder Reiten sowie andere Formen der Freizeitgestaltung.

Allerdings gibt es einige Ausnahmen. Die so genannten access rights gelten beispielsweise nicht für private Häuser, Gärten oder Farmen sowie auf bestellten Feldern. Wer querfeldein unterwegs ist und dabei einem Bauern auf dessen Feld das Korn niedertrampelt, kann sich dabei nicht auf das „access right“ berufen. Ganz anders sieht die Sache für Wanderer aus, die sich am Feldrand entlang bewegen. Wanderer dürfen auch Golfplätze überqueren, solange sie die Golfspieler nicht stören.

Wild Camping in Glen Etive

Einige Ausnahmen berücksichtigen

Eine echte Ausnahme gilt für das Wildzelten am Loch Lomond. Es ist sehr eingeschränkt. Dafür gibt es viele schöne Campingplätze: http://www.lochlomond-trossachs.org/visiting/camping/menu-id-335.html

Wer in der konkreten Situation unsicher ist, ob er sich gerade richtig verhält, dem helfen vielleicht ein paar allgemeine Leitlinien: Es geht immer darum, mit leichtem Gepäck zu reisen und keinen Unrat zu hinterlassen, um die Folgen für die Natur möglichst gering zu halten. Außerdem sollte sich niemand anderes von der eigenen Freizeitgestaltung gestört fühlen.

Wer mit dem Auto durch Schottland fährt und abends an den Straßenrand fährt, um sein Zelt aufzuschlagen, campt im Sinne des Gesetzes nicht wild. Trotzdem ist dieses „informal camping“ grundsätzlich erlaubt. Wer in der Nähe eines Hauses parkt, sollte trotzdem lieber fragen. Oft wird der Grund und Boden entlang einer Straße wirtschaftlich genutzt und in diesem Fall sollten sich Urlauber lieber eine andere Stelle zum Übernachten suchen. Die „access rights“ gelten hier nicht.

Camping am West Highland Trail

Andere Regeln gelten für Campervans

Generell sind die Schotten bei Autos, Campervans oder Motorrädern in Sachen Wild Camping nicht so großzügig. Es herrscht die Sorge, dass Wohnwagen und Campervans in großer Zahl an den schönsten Aussichtspunkten oder Stränden geparkt werden und sie damit nicht nur der Natur Schaden zufügen, sondern auch andere Gäste stören. Daher können sich Auto- und Motorradfahrer nicht auf die gleichen großzügigen Camping-Regeln berufen wie Wanderer oder Reiter.

Das heißt aber nicht, dass motorisierte Reisende weniger von Schottlands Natur zu sehen kriegen, betont Rob Garner vom Naturschutzamt Scottish Natural Heritage: „Campervans und Wohnwagen bieten großartige Möglichkeiten, den Schottlandurlaub zu genießen.“ Zum einen gibt es sehr schöne Campingplätze. Zum anderen können auch Wohnwagenbesitzer wild campen – wenn sie ein paar Extra-Spielregeln beachten.

Grundsätzlich dürfen Wohnwagen oder Motorräder rund 14 Meter (15 yards) von der Straße entfernt parken, ohne dabei gegen Gesetze zu verstoßen. Das bedeutet aber nicht, dass Motorradfahrer auch das Recht haben, dort Halt zu machen, wenn der Landeigentümer das nicht will. Theoretisch kommt es also immer darauf an, sich mit den Einheimischen zu verständigen und ihr Okay einzuholen.

In der Praxis allerdings funktioniert das „Wild Camping“ auch mit einem fahrbaren Untersatz meist reibungslos, heißt es bei der Campervan-Vereinigung Campa: „Es gibt reichlich Gelegenheiten.“ Dass es zu den schönsten Stellen für „wilde“ Wohnwagenstellplätze trotzdem keine offiziellen Informationen gibt, ist durchaus beabsichtigt: „Das würde sonst zu viele Leute anlocken und die Natur schnell ruinieren“, heißt es auf der Campa-Website. So bleibt es dem Entdeckerglück überlassen, besonders schöne Fleckchen aufzuspüren.

Auch wenn die meisten Schotten sehr gelassen reagieren, heißt es Augen auf:

An manchen Stellen weisen Schilder der lokalen Behörden ausdrücklich darauf hin, dass das Übernacht-Parken verboten ist. Für die Insel Tiree (www.isleoftiree.com) sowie Calgary Bay auf der Insel Mull (www.isle-of-mull.net/accommodation/wild-camping) gelten eigene, strenge Regeln, die das Wild Camping mit motorisiertem Untersatz verbieten oder stark einschränken.

Was Sie wissen sollten

Eine gute Übersicht über die „access rights“ gibt es im „Scottish Outdoor Access Code (www.outdooraccess-scotland.com).

Allgemeine Infos für Urlaube mit dem Wohnwagen oder dem Wohnmobil sowie Campingplätze stehen bei: www.scottishcamping.com.

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