Urlaubstag auf der Isle of May

Die Insel May ist noch immer ein Geheimtipp für einen Schottland-Urlaub. Dabei gehört sie zu den am dicht besiedelsten Gegenden Schottlands – zumindest wenn sich 200 000 Seevögel hier ihre Brutplätze suchen.

Unser Boot gleitet über die spiegelglatte See und von weitem ist schon das Ziel unserer Urlaubs-Reise zu sehen, die Isle of May, 45 Hektar groß und rund acht Kilometer von der schottischen Ostküste entfernt gelegen. Die Insel liegt als dunkle Silhouette auf den glitzernden Wellen, die unser Boot umspielen. Aber wir wissen, dass sie je nach Jahreszeit und Wetterlage ihr Aussehen gehörig verändern kann.


So sieht Urlaub auf der Isle of May aus.

Im Winter schimmert die Isle of May schneeweiß durch die dunklen Sturmwolken. An manchen Tagen ist sie kaum mehr als ein schwacher Schatten, der durch den Nebel erkennbar ist. An einem Sonnentag wie heute aber scheint sie fast zum Greifen nah zu sein. „Sie haben einen perfekten Urlaubs-Tag erwischt“, ruft uns der Kapitän der „May Princess“ über Mikrophon zu.

Heimat von 200 000 Seevögeln


Die Insel May ist ein Brutplatz für viele Vögel.

Die Isle of May gehört zu den am dichtesten besiedelten Gegenden Schottlands: Die Insel ist die Heimat von 200 000 Seevögeln, die hier brüten oder auf ihrem Weg zurück aus dem Süden im Frühling Rast machen. Seeschwalben, Tölpel und Papageientaucher haben hier das Sagen. Im Winter bringen die Seehunde auf der Isle of May ihre Babies zur Welt, ab März beginnt die Brutsaison der Seevögel. Keine Frage: Die Insel bietet einen einzigartigen Einblick in ein Stück naturbelassenes Schottland und die Besucherzahlen sind seit Jahren steigend.

Der Hafen Anstruther ist ein perfekter Start in den Urlaub


Die Hafenstadt Anstruther.

Wir haben unseren Urlaubstag kleinen Hafenstadt Anstruther aus gestartet. Um das Boot nicht zu verpassen, haben wir der Versuchung widerstanden, das Fischerei-Museum (Scottish Fisheries Museum) zu besuchen oder uns in die lange Schlange einzureihen, die mit sprichwörtlicher britischer Geduld vor dem weithin bekannten Fish & Chip-Shop direkt am Hafen auf ihre Bestellung wartet.

Endlich geht es los. Seit vielen hundert Jahren haben die Menschen in den Küstenstädten wie Anstruther, Crail oder St Monans diese Überfahrt angetreten. Könige, Pilger und Missionare kamen auf die Isle of May. Ebenso wie Schmuggler und die Plünderer havarierter Schiffe. Die Wikinger fuhren auf ihren Raubzügen hier vorbei und selbst eine versprengte Galeone der spanischen Armada ist nach der Schlacht gegen die englische Flotte von Sir Francis Drake nachweislich durch diese Gewässer gesegelt.

Von See-Kajaks begleitet


Seekajaks begleiten uns.

Als wir langsam näher kommen, sehen wir Seehunde (grey seals), die sich auf den Felsen in der Sonne lümmeln. In Großbritannien leben 40 Prozent dieser Tiere weltweit. Auf den zahllosen Felsvorsprüngen sitzen Seevögel dicht an dicht. Wir werden nun auch begleitet von einem halben Dutzend See-Kajaker, die das gute Wetter ebenfalls ausnutzen wollen und mit uns gemeinsam den kleinen Hafen anlaufen.

Dort erwarten uns Ranger des National Nature Reserve und geben eine kleine Einweisung. Der National Nature Reserve (NNR) verwaltet die Insel. Niemand darf so einfach mir nichts dir nichts hier herumspazieren. Wir sind schließlich nur Gäste, und die Vögel sollen möglichst wenig beim Brüten gestört werden.

Seeschwalben kommen im Sturzflug angesaust

Den Hafen hat sich eine Kolonie Seeschwalben (terns) ausgesucht. Sie bevorzugen feinen Sand für den Nestbau, und sie sind von unserer Ankunft wenig begeistert.

Allerdings brauchen die Tiere die NNR-Ranger gar nicht, sie wissen sich auch sehr gut selbst zu helfen. Es herrscht ein ohrenbetäubender Lärm. Und dabei bleibt es nicht. Die Seeschwalben kommen im Sturzflug angesaust und wem sie einmal die Frisur zerzaust haben, der überlegt es sich in Zukunft sehr gut, wohin er seine Füße setzt.

„Es gibt nicht wenige Orte in Schottland, wo Sie der Natur und den Tieren so nahe kommen wie hier“, sagt einer der Ranger zu uns, der gerade in aller Seelenruhe durch so eine Traube nicht gerade friedfertiger Vögel hindurchmarschiert ist. Den Trick lernen wir schnell: Am besten ist es, einen kleinen Stock hoch über den Kopf zu halten. So kommen wir unbehelligt durch das Nistgebiet und haben nun mehr Ruhe dabei, die Insel einen Tag lang zu erkunden.

Der erste Leuchtturm Schottlands

Auf der Isle of May wurde im Jahr 1636 gegen großen Widerstand der erste Leuchtturm in ganz Schottland gebaut. Das erste Leuchtfeuer brannte 180 Jahre lang und wurde erst 1811 von einem neueren Gebäude abgelöst, das Robert Stevenson baute, der Onkel des Schriftstellers Robert Louis Stevenson.

Wir haben uns bei den Leuchttürmen genug umgeschaut, gehen den Hügel wieder hinunter und packen vor dem kleinen Besucherzentrum nahe des Hafens unser Picknick aus. Ein Café oder Restaurant gibt es nicht auf der Insel. Dafür lernen wir in dem Besucherzentrum viel über die Tiere auf der Insel und die Arbeit der Vogelforscher.

Unser Urlaub auf der Insel ist vorbei

Schließlich kommen wir wieder zur Anlegestelle zurück und sammeln uns am Boot. Auf der Insel gibt es kein Hotel, so dass man den Urlaub hier nicht verlägern kann. Die Vögel sollen nach unserer Abreise wieder ihre Ruhe haben. Wer doch unbedingt einmal länger Urlaub auf der Insel machen möchte, der findet vielleicht diese Hintertür: Auf der Isle of May befindet sich die älteste Vogel-Beobachtungsstation Schottlands. Sie wurde von ein paar begeisterten Amateurvogelfreunden im Jahr 1934 gegründet, und seitdem bietet die Station Freiwilligen zwischen März und November für eine Woche eine Unterkunft, wenn sie dafür im Gegenzug die Augen offen halten.

„Die beste Zeit für die Seevögel ist Mitte Juni bis Mitte August“, sagt Jonathan Osborne von der Beobachtungsstation. Zu den Aufgaben gehöre, im Urlaub die Anzahl der Vögel zu notieren und besonders interessante Exemplare zu vermerken.

Es wird noch einmal eng in dem kleinen Hafen

Wir aber überlassen das Vogelbeobachten erst einmal anderen und gehen wieder an Bord der „May Princess“. Unser Urlaub ist vorbei. Als es losgehen soll, wird es auf einmal eng in dem kleinen Hafen. Auch die See-Kayaker, die zum Urlaub mit uns auf die Insel gekommen waren, treten die Rückreise an, und gerade hat auch noch eine Gruppe Taucher mit ihrem Rib festgemacht, so dass es einiger Manöver und Lautsprecherdurchsagen von unserem Kapitän bedarf, bevor wir endlich losfahren können.

Boots-Touren  für den Urlaub (von April bis September):

Anstruther Pleasure Cruises:

Telefon: 0044 (0) 7957 585200.

www.isleofmayferry.com

Osprey of Anstruther Boat Trips:

Email: info@isleofmayboattrips.co.uk

Telefon: 0044 (0) 7966 926 254 oder 0044 (0) 1333 310054 ( zwischen 19 Uhr und 20 Uhr)

www.isleofmayboattrips.co.uk

 National Nature Reserve:

Telefon: 0044 (0) 1334 654 038

www.nnr-scotland.org.uk

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