Leuchtturm-Ferien in Schottland

Der Leuchtturm von Stroma steht an gefährlicher Stelle

Vom schottischen Festland zu den Orkney-Inseln sind es durch die Pentland Firth eigentlich nur wenige Kilometer. Trotzdem überlegen sich Steuerleute lieber zwei Mal, ob und wie weit sie sich in diese Meeresenge hineintrauen. Denn in diesem Nadelöhr zwischen schottischem Festland und Orkney prallt das Wasser der Nordsee mit voller Wucht auf den Atlantik. Das hat der Pentland Firth den Beinamen “Hell´s Mouth”, Höllenschlund, eingebracht.

Am Höllenschlund steht der Leuchtturm von Stroma (Breite: 058° 41.754’N , Länge: 003° 07.014’W) und schickt sein weißes Licht alle zwanzig Sekunden aufs Meer hinaus. An der nördlichen Spitze der Insel Stroma ist die Pentland Firth am gefährlichsten. Denn hier brodelt und schäumt, versteckt hinter einem Vorhang aus wasserschwerer Luft, der gewaltige Malstrom “Swilkie”. Unter der unruhigen Wasseroberfläche, so heißt es in einer Wikinger-Legende, dreht sich auf dem Meersgrund eine riesige Salzmühle und mahlt das Salz der Ozeane.

Der Leuchtturm im Hafen Leith
Der Leuchtturm im Hafen Leith

Die alten schottischen Leuchttürme erinnern an die Zeit der dickbäuchigen Segelschiffe, der Whiskyschmuggler und Strandräuber. In einigen Leuchtürmen können Gäste sogar übernachten.

Der älteste Leuchtturm in Schottland ist 400 Jahre alt

Rund 200 Leuchttürme stehen entlang der schottischen Küsten. Der älteste ist fast 400 Jahre alt und wurde 1635 auf der Isle of May errichtet. Die meisten allerdings entstanden zwischen 1790 und 1940 und wurden von einer einzigen Familie gebaut, den “lighthouse Stevensons”, wie sie in Schottland genannt werden. Über Generationen hinweg stellten die Stevensons einen Leuchtturm-Ingenieur nach dem anderen. Von ihnen stammt Skerryvore Lighthouse, der mit 48 Metern höchste Leuchtturm in Schottland, der berühmt-berüchtigte Bell Rock östlich von Dundee oder die Leuchttürme in Lybster, Holborn Head, Stroma sowie die Hafenanlage von Wick.

Von den Hafenarbeiten in Wick schreibt der Schriftsteller Robert Louis Stevenson im Jahr 1868 in einem Brief an seine Mutter: “Dieses Durcheinander aus Windböen, vermischt mit Regen, windzerfetztem Nebel, Gischt, Schaum und großen, grauen Wellen … .Von meinen Händen lässt sich die Haut abziehen, sie sind voller Blasen und schwarz von Teer.” Stevenson bemühte sich drei Jahre lang auf Drängen seiner Familie, Leuchtturmingenieur zu werden.

Besondere Standfestigkeit ist gefragt

Der Hafen von Wick ist heute noch nahezu unverändert und wird für kommerzielle wie für Freizeitzwecke verwendet. Wer heute die Hafenmole hinabschlendert zum kleinen Leuchtturm an ihrem Ende, der merkt schnell, dass er auf einem wahren Bollwerk gegen Wind und Wellen spazieren geht.

Schottischer Leuchtturm: Solides Mauerwerk
Schottischer Leuchtturm: Solides Mauerwerk

Die Leuchtturm-Bauweise mit Eisen und Holz, wie sie etwa in England praktiziert wurde, funktionierte in Schottland nicht. Die Bedingungen erforderten besondere Standfestigkeit. Daher sind schottische Leuchttürme immer aus Stein gebaut. Kinnaird Head nahe Fraserburgh beispielsweise wurde gleich auf den Grundmauern einer alten Festung errichtet.

Die schottische Leuchtturmbehörde wird gegründet

Der ungeheure Aufwand war mehr als nötig. Im ausgehenden 18. Jahrhundert waren die Gewässer rund um Schottland lebensgefährlich. Das Kartenmaterial war schlecht, so dass die Kapitäne eine Bucht mit der nächsten verwechselten. Es war die Zeit der Whiskyschmuggler und Strandräuber. Das Plündern der Schiffswracks war damals weit verbreitet und ein einträgliches Geschäft und viele Schiffe wurden absichtlich in die Irre geführt. Jeden Tag ging ein Schiff verloren. Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Seemanns lag bei unter 40 Jahren.

Im Jahr 1786 wurde daher die schottische Leuchtturmbehörde, das Northern Lighthouse Board, gegründet. Das Amt suchte händeringend Ingenieure, die Leuchttürme bauen konnten. Und angesichts der prekären Lage war die Behörde schießlich sogar bereit, diese Arbeit einem Mann anzuvertrauen, der noch nie einen Leuchttrum konstruiert hatte.

Straßenlaternen statt Leuchttürme

Dieser Mann hieß Thomas Smith und fertigte Straßenlaternen in seiner Werkstatt in der Newtown von Edinburgh. Er wurde quasi der Gründervater der Stevenson-Dynastie, als er das Geschäft seinem Stiefsohn Robert Stevenson vererbte.

Robert Louis Stevenson, der Ur-Enkel von Thomas Smith, konnte sich anders als seine übrige Familie wenig für Statik und Positionslampen begeistern. Lieber machte er Notizen oder schrieb Briefe an seine Mutter in Edinburgh über seine Erlebnisse: “Die Leute in Wick sagen nicht “Guten Tag”, wenn sie sich begegnen. Sie murmeln “Ganz schön windig heute”. Und das Wetter hier gibt ihnen recht.”

Ausgerechnet Robert Louis Stevenson, der aus der Art geschlagene Sohn, erlangte später Weltruhm mit seinem Roman “Die Schatzinsel”. Das Buch “Entführung” beruht nachweislich auf Stevensons Aufzeichnungen aus der Zeit als Ingenieursanwärter.

Heutzutage ist alles automatisiert

Wenn heute noch Leuchttürme errichtet werden, wie etwa auf den Monach Isles auf den äußeren Hebriden, dann dienen sie in erster Linie dazu, den Öltankern auf ihrer Route zum Sullom Voe Öl-Terminal auf Shetland an der Westseite der Insel Lewis vorbei sicheres Geleit zu geben. Die alten Leuchttürme wurden mittlerweile abgeschaltet oder automatisiert. Der letzte schottische Leuchtturmwärter ging 1998 in Rente.

Der kleinste Leuchtturm Schottlands befindet sich übrigens nicht am Meer, sondern in der George Street in Edinburgh, zwischen eleganten Mode- und Juweliergeschäften. Die Fassade der Hausnummer 84 wirkt fast ein wenig fade zwischen den Einkaufstempeln – wäre da nicht der kleine, weiße Leuchtturm, der im ersten Stock an der Außenmauer befestigt ist. Hier befindet sich noch immer die Leuchtturmbehörde, das Northern Lighthouse Board, Wächterin über alle Leuchttürme in Schottland, die heute noch blinken.

Übernachten im Leuchtturm

http://www.visitscotland.com/accommodation/unusual-places-to-stay/lighthouses/

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